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Deutsch – Seite 2 – Austria Recycling

Blog

  • Circular Economy – neue Chance!

    Circular Economy – neue Chance!

    Austria Recycling hat sich und seinen Mitgliedern zum 75 Jahr Jubiläum – Corona bedingt mit 2 Jahren Verspätung – eine besondere Veranstaltung zum Thema „Circular Economy – Innovationen als Gewinn-Treiber für mein Unternehmen“ geschenkt. Zusammen mit Austria Glas Recycling, durften wir am 11.5. in den Räumlichkeiten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) den Doyen der Circular Economy, Dr. Walter R. Stahel begrüßen.

    Circular Economy (Kreislaufwirtschaft) brauchen wir dringend, wenn wir Klima- und Umweltziele erreichen und so eine gute Lebensgrundlage für uns und nachfolgende Generationen erhalten wollen. Obwohl sich das Thema bereits durchsetzt, fasst Kreislaufwirtschaft in der wirtschaftlichen Praxis nur schwer Fuß. Da setzt der Vortrag von Dr. Stahel mit vielen erfolgreichen Beispielen an.

    Walter Stahel der Doyen der Kreislaufwirtschaft zu Gast in Wien

    Walter R. Stahel ist ehemaliger Leiter des Risikomanagements der Geneva Association (Schweiz), ein angesehener Unternehmensberater und der Gründer und Direktor des Product-Life Institute (Genf, Schweiz). Dieses ist Europas ältestes Beratungsunternehmen und Think Tank für Nachhaltigkeit und wurde 1982 gegründet. Stahels bahnbrechende Forschungs- und Kooperationsarbeit im Bereich der Nachhaltigkeit reicht mehrere Jahrzehnte zurück und macht ihn zu einem der Begründer dieses Themas. Er selbst bezeichnet sich als „… von Haus aus Architekt, Industrieanalytiker aus Leidenschaft, Forscher im Bereich Risikomanagement, um den Lebensunterhalt zu verdienen, heute Hauptredner und Autor zu den Themen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft,…“

    Wir durften mit Walter Stahel schon einige Projekte gemeinsam durchführen. Aus der guten Zusammenarbeit wurde eine langjährige Freundschaft, darum hat es uns besonders gefreut, mit ihm gemeinsam unser Jubiläum zu feiern.

    Eine Anmerkung am Rande: Bereits im Gründungstatut der Austria Recycling (damals noch Österreichische Produktionsförderungsgesellschaft) stand der Satz: „Der Verein bezweckt, brachliegende Werte für die österreichische Wirtschaft zu sichern……, die im Interesse des Gemeinwohles liegenden Aufgaben zu erfüllen“. Ansätze die man heutzutage als wesentlichen Bestandteil einer Circular Society bezeichnen würde.

    Circular Economy  – Chancen für Ihr Unternehmen

    Nach intensivem Netzwerken am Buffet zeigte Walter Stahel in seinem Impulsvortrag die Grundprinzipien der (Industrial) Circular Economy. Aus seinem riesigen Fundus an praktischen Beispielen aus Industrie und Gewerbe aus aller Welt, ging Stahel dann auf jene Beispielkategorien eingehender ein, die von den Teilnehmer*innen ausgewählt wurden.

    Im Anschluss an den praxisnahen Vortrag, gab es Zeit sich gemeinsam auszutauschen und erste konkrete Ansätze zu diskutieren. Stahels durchaus provokante Statements (z.B.: Ein industrielles zirkuläres Wirtschaften ist disruptiv und entsteht durch bewusste Entscheidungen von Personen) lieferten reichlich Stoff für Diskussionen. Monika Himpelmanns Frageimpulse lenkten die Diskussionen in Richtung kreislaufwirtschaftlicher Handlungsoptionen unserer Gäste.

    Aus den zahlreichen unterschiedlichen Beispielen lassen sich Gemeinsamkeiten erkennen – wir haben folgende Voraussetzungen extrahiert: Unternehmen, die mit zirkulären Geschäftsmodellen erfolgreich sind, haben

    • über den eigenen Tellerrand hinausgeschaut
    • Mut zu Neuem und teilweise radikalen Veränderungen bewiesen
    • die Bereitschaft gezeigt, eingetretene Pfade zu verlassen
    • konnten Mitstreiter gewinnen und haben auch neue (unerwartete) Seilschaften zugelassen
    • nicht beim ersten Auftreten von Hindernissen aufgegeben und Beharrlichkeit gezeigt

    Alle Teilnehmer*innen waren sich jedenfalls einig, dass jeder für sich /das eigene Unternehmen intensiv nachdenken sollte, welche Chancen (ggf. auch Risiken) der Weg zu einer Circular Economy bieten kann. Um diesen Nachdenkprozess anzustoßen und die Meinung von Kolleg*innen einzubeziehen, empfiehlt sich ein moderierter, interner Workshop. So kann bgeklärt werden, was das für das Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen bedeuten könnte. Eventuell sollen auch Experten einbezogen werden.

    Neue Chance: Follow up mit Dr. Stahel – online am 22. Juni

    Für unsere Mitglieder (auch für jene, die nicht bei der Veranstaltung waren) gibt es ein Follow Up! Am 22. Juni führen wir ein 90-minütiges online-Event – ebenfalls mit Walter R. Stahel – durch. Es wird einen kurzen Input geben und ausreichend Zeit für Fragen und Nachdenken über neue Ideen. Wenn Sie also Lust haben, sich mit diesem bedeutenden Zukunftsthema auseinanderzusetzen, melden Sie sich hier an!

    Foto: Austria Recycling

  • Wir sind 75!

    Wir sind 75!

    Anlässlich des Jubiläums von Austria Recycling in 2021 möchten wir einen kurzen Rückblick geben auf das was schon hinter uns liegt und das womit wir in die Zukunft gehen.

    Wir schauen auf die prägenden Ereignisse in der Vereinsgeschichte und was parallel dazu in der Welt passiert ist.

    Wir betrachten, wie sich der Wandel für den Verein ausgewirkt hat (und noch auswirkt).

    Zum einen ist das unser neues Produkt, der Nachhaltigkeits-Sprint für Führungskräfte, auf den wir stolz sind.

    Und da ist zum anderen unser Projekt REAP das 2 Jahre hybride Projektarbeit hinter sich hat.

    Hier ist der Erfolgsbericht 2021

    Wie immer ein herzliches DANKE an unsere Mitglieder, die das alles möglich machen!

    Zum Nachhaltigkeitssprint für Führungskräfte

    Foto: Austria Recycling

  • Was braucht Circular Economy im Textilsektor – Das Interview

    Was braucht Circular Economy im Textilsektor – Das Interview

    Textilrecycling: Potenzial für Österreich – eine Einschätzung der OETI-Expertin Helene Melnitzky

    Wir sprachen mit Dipl-HTL-Ing. Helene Melnitzky. Sie leitet den Geschäftsbereich Ökologie, OEKO-TEX® Produkte bei OETI – Institut für Oekologie, Technik und Innovation GmbH. OETI, Mitbegründer des renommierten OEKO-TEX®-Siegels, prüft und zertifiziert Textilien aller Art hinsichtlich Funktionalität, Emissionen und Raumluftimpact. Es ist das einzige Institut dieser Art in Österreich.  OETI betreibt internationale Niederlassungen und ist im Rahmen einer Prüfgemeinschaft von 18 Instituten in vielen Ländern tätig. Helene Melnitzky ist aufgrund ihrer langjährigen Prüf- und Leitungstätigkeit bei OETI eine profunde Kennerin der Textilproduktion vieler Länder sowie der globalen Lieferketten von textilen Produkten. Anfang März nahm sie sich für das Gespräch mit Austria Recycling Zeit. Vielen Dank!

    Was sind ‚Textilien‘?

    Austria Recycling: Die Staaten der EU wollen die Textilwirtschaft nachhaltiger gestalten. Was alles sind Textilien?

    Helene Melnitzky: Zu den Textilien zählen wir alles, was aus pflanzlichen, tierischen oder synthetischen Fasern ist. Die Nutzung von Textilien reicht von Bekleidung, Heimtextilien, technischen Textilien bis Schaumstoffen und so weiter.

    Teil der Nachhaltigkeitsstrategie für den Textilsektor ist die Anhebung von Recycling. Wer braucht Alttextilien? Abgesehen vom Second-Hand-Nutzen, der ja zur Wiederverwendung zählt.

    Wir unterscheiden bei Alttextilien solche, die vor dem Konsum und solche, die nach Gebrauch anfallen. Textilabfälle aus Nähereien beispielsweise werden geschreddert und zu neuen Fäden gesponnen. Desgleichen Webereiabfälle. Diese werden zerfasert, gewaschen und versponnen. Zumeist handelt es sich dabei um Baumwollabfälle. Wir sprechen von mechanischem Recycling. Chemiefasern (Polyamid, Polyester) werden meist chemisch recycelt. Die recycelten Fasern werden verkauft.

    Bei Alttextilien, die nach dem Gebrauch anfallen, ist es komplizierter.

    Bleiben wir zunächst bei den Fäden, die aus Produktionsabfällen gewonnen werden. Gibt es dafür einen Markt?

    Ja, es gibt Produktionsstätten, die recycelte Fasern einsetzen.

    Wie funktioniert Textilrecycling?

    Von den Post-Consumer-Alttextilien wird laut Umweltbundesamt ein sehr geringer Anteil wieder verwendet oder recycelt. Das sind meist Textilprodukte wie Kleidung und Haushaltswäsche aus den privaten Haushalten. Die Fachleute sprechen von sortenreinen Textilabfällen. Was macht das Recycling hier kompliziert?

    Ein Teil dieser Textilien findet seinen Weg auf internationale Second-Hand-Märkte. Wiewohl das nicht bedeutet, dass diese Textilien auch wieder verwendet werden. Meist ist die Qualität so schlecht, dass man die Kleidung nicht mehr tragen kann. Dann wird sie vielleicht recycelt. Oft wird sie thermisch verwertet – was vielerorts ein Euphemismus für verbrennen ist. Die schlechte Textilqualität ist eine Folge der Fast-Fashion-Strömung. Je schlechter die Produktqualität, desto ungeeigneter für Wiederverwendung oder Recycling.

    Das stoffliche Recyceln von Textilien ist ein enormer Aufwand.. Das Problem ist die Materialzusammensetzung, die oft bei Alttextilien nicht bekannt ist.Dazu kommen noch das Zubehör an Textilien wie Knöpfe oder Reißverschlüsse. Die eingenähten Etiketten, die die Zusammensetzung und die Waschanleitung anführen, sind oft nicht mehr lesbar oder gar nicht mehr da.

    Wie geht man da vor?

    Für diese Analyse braucht es Fachkräfte. Jede Hose, jedes T-Shirt, jedes Kleid, jeder Schuh, jedes Geschirr-, Hand-, Leintuch muss einzeln untersucht werden. Derzeit ist dies noch nicht in ausreichendem Umfang technisch möglich. Das ist ein großer Aufwand von geringer Wirtschaftlichkeit.

    Was braucht es noch, damit Textilrecycling funktionieren kann?

    Wenn Sie dann die Zusammensetzung kennen, geht die eigentliche Recyclingarbeit los. Und dafür gibt es noch wenig Expertise und ebenfalls keine großflächigen Technologien. Ein großes Problem sind die Fasermischungen. Besonders wenn Elasthan enthalten ist. Wie lösen wir die verwobenen und vernähten Materialkomponenten wieder voneinander?

    Ein weiteres Problem sehe ich in der Dislozierung von Produktion und Konsum von Textilien. In Europa kaufen wir Textilien, von denen ein erheblicher Teil nicht in Europa hergestellt wurde. Es fehlt in der EU noch die Industrie, die einen Textilkreislauf sinnvoll möglich macht. Der geringe Anteil an Alttextilien, der in Österreich recycelt wird, endet zumeist als Putzfetzen.

    Manche Modeketten – wir wollen hier keine Werbung machen – riefen Kleidersammlungen in den Filialen ins Leben. Wer alte Kleidungsstücke zurück bringt, erhält Einkaufsgutscheine und andere Belohnungen. Wie sehen Sie derartige Initiativen im Zusammenhang mit den Forderungen des Kreislaufwirtschaftspaketes?

    Bestimmt unterstützen derartige Initiativen dabei, das Bewusstsein ein wenig zu ändern und zu einem sorgfältigeren Umgang mit Textilien zu animieren. Das halte ich für wichtig. Doch bei freiwilligen Initiativen fehlt die Möglichkeit des Monitoring. Wir können keine Bilanz für das Land Österreich erstellen. Eine solche werden wir aber brauchen, wenn Erfassungs- und Recyclingquoten zu erfüllen sind. Ohne die es meines Erachtens nicht gehen wird. Die Errichtung eines Sammelsystems macht noch keine Kreislaufwirtschaft.

    Es gibt viel zu tun auf dem Weg zu einer textilen Kreislaufwirtschaft. Bleiben wir gedanklich in Österreich und dem Ziel, bis 2025 ein Alttextilsammelsystem zu etablieren. Worauf sollten wir uns konzentrieren?

    Noch fehlen Definitionen für die Sammelfraktionen. Daran muss gearbeitet werden. Ich denke, was die Fraktionen anbelangt, sollten wir uns zunächst auf Bekleidung und Haushaltswäsche konzentrieren.

    Weiters scheint es mir wichtig, in Österreich Analyse-, Recycling- und Verwertungstechnologie aufzubauen. Ein vielversprechender Ansatz in Österreich ist die Verarbeitung von Alttextilien aus Zellulose zu Lyocell. International gibt es einige Initiativen wie in Schweden Textilrecycling industriell durchzuführen. Da sollten wir Augen und Ohren offenhalten und ebenfalls forschen und experimentieren.

    Vielen Dank für das Gespräch!

    Die Potenziale für österreichische Unternehmen / Forschungseinrichtungen

    Aus diesen Überlegungen ergeben sich Ansatzpunkte für Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die zur Gestaltung einer Kreislaufwirtschaft für Textilien beitragen können:

    WasEffektInitiator*innen / Beteiligte
    Bewusster Einkaufweniger Kleidungsstücke / TextilienKonsument*innen
    Re-use (vor dem Sammelsystem – z.B. verkaufen, tauschen, reparierenTextilien bleiben länger im KreislaufKonsument*innen, Systeme wie Willhaben, Carlas etc.
    Design von Modemöglichst wenig Verbundstoffe, hochwertigere MaterialienDesigner / F&E / bestehende Sammelsysteme
    Verschiedene Sammel-Möglichkeiten anbietenes wird mehr gesammelt (Behälter, Packmee, Momox, H&M, C&A…)Anbieter / Systeme
    Technolgie entwickeln zum Erkennen und Trennen unterschiedlicher Materialien (Sortierung)Sortenreines MaterialF&E / Systeme
    Technologie zur Trennung von VerbundmaterialienSortenreines MaterialF&E / Systeme
    Technologie zur Wiedergewinnung von Fasernweniger Primärmaterialien in der Produktion, weniger AbfälleF&E / Systeme
    Unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten für Alttextilien / Fasern entwickelnweniger Primärmaterialien in der Produktion, weniger Abfälle (recycling, upcycling, downcyclingF&E / Systeme

    *Systeme: Sammelsysteme, Organisationen…

    Jede dieser Möglichkeiten hat – wie im Interview angesprochen – natürlich ihr ganz eigenes Set von Herausforderungen, Interessen der Beteiligten und Schwierigkeitsgrad, bietet jedoch auch großes Potenzial in Richtung echter Kreislaufwirtschaft.

  • Kreislaufwirtschaft im Textilsektor – Potential für österreichische Unternehmen?

    Kreislaufwirtschaft im Textilsektor – Potential für österreichische Unternehmen?

    Mit der AWG-Novelle Kreislaufwirtschaftspaket vom 10.12.2021 ist es nun auch gesetzlich verankert: ab dem 1.1.2025 muss auch für Textilien eine getrennte Sammlung in Österreich durchgeführt werden. Und zwar auf eine Art und Weise, die eine Vorbereitung zur Wiederverwendung oder ein qualitativ hochwertiges Recycling ermöglicht (§28b)[1].

    Im Durchschnitt kauft eine Person in Europa in einem Jahr 26 kg Textilien. Und sie wirft 11 kg weg. Tendenz steigend. Mit dieser „Fast Fashion“ verursachen wir Europäerinnen und Europäer große Umweltschäden rund um den Globus. Negative Auswirkungen der Textilproduktion sind unter anderem:

    • Einsatz schädlicher Chemikalien
    • hoher Wasserverbrauch (insbesondere für die Baumwollproduktion)
    • große Mengen von Abwässern
    • hoher Energieverbrauch
    • Freisetzung von Treibhausgasen während der Produktion

    Für die Herstellung eines T-Shirts werden rund 2.700 Liter Wasser benötigt. Der Anbau von Baumwolle verbraucht 10% der weltweiten Pestizide, 25% der Insektizide und 2,5% des gesamten Wassers der Welt. Für 2015 werden die Treibhausgasemissionen der Textilproduktion auf 1,2 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente beziffert. Das ist mehr, als von allen internationalen Flügen und der Seeschifffahrt zusammen erzeugt wurde. Die industrielle Wasserverschmutzung durch Färben und Behandeln von Textilien beträgt 20% des weltweiten Ausmaßes. Ausserdem gelangen jährlich eine halbe Million Tonnen Mikrofasern in die Ozeane. Der Fast-Fashion-Trend verschärft die Umweltschäden[2].

    Alttextilien sind Rohstoff – zum Wegwerfen zu schade

    Die negativen Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima sollen deutlich zu reduziert werden. Darum sieht die EU-Strategie für nachhaltige Textilien unter anderem vor, dass Textilprodukte in Zukunft langlebiger, besser wiederverwendbar, reparierbar und recycelbar werden.

    Alle Mitgliedstaaten haben bis 2025 Systeme zur getrennten Sammlung von Alttextilien einzurichten. Alttextilien sollen wiederverwendet oder recycelt werden. Bis 2024 entscheidet die Europäische Kommission, ob auch Ziele für die Wiederverwendung und das Recycling von Textilabfällen festgelegt werden.

    Aufkommen und Behandlung von Alttextilien in Österreich derzeit

    Das Jahr 2018 gilt als Bezugsjahr für alle weiteren Berechnungen und Überlegungen. Das Österreichische Umweltbundesamt spricht in seinen ‚Materialien zum Bundes-Abfallwirtschaftsplan‘ aus 2022 unter ‚Aufkommen und Behandlung von Textilabfällen in Österreich‘ von rund 221.800 Tonnen Textilabfällen. Der überwiegende Anteil stammt aus privaten Haushalten (rund 135.000 Tonnen, 61%). Erfasst werden Textilabfälle zu rund 77% (70.700 Tonnen) in „gemischten Abfällen“. Diese werden laut UBA fast gänzlich thermisch behandelt.

    Nur etwa 23% werden als „sortenreine“ Textilabfälle (rTA) erfasst. Davon sind etwa 88% „Stoff- und Gewebereste, Altkleider“, die unter der Abfallschlüsselnummer SN 58107 firmieren. Knapp 45.000 Tonnen Alttextilien SN 58107 wurden im Bezugsjahr 2018 getrennt gesammelt. Und zwar zu 57% von karitativen Organisationen, zu 31% in gewerblicher und zu 12% in kommunaler Sammlung.

    Rund 16.000 Tonnen unterliefen in Österreich einer Vorbereitung zur Wiederverwendung. Diese mündete für 6.600 Tonnen Alttextilien in tatsächliche Wiederverwendung, für 9.400 Tonnen in stoffliche Verwertung (Produktion von Putzlappen, Dämmstoffen etc.). 3.600 Tonnen stark verschmutzte Textilien wurden in Österreich thermisch verwertet. Knapp 23.000 Tonnen reisten ins Ausland. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass davon 15.400 wieder verwendet, 5.300 stofflich verwertet und der Rest thermisch behandelt wurde. Etwa 2.000 Tonnen werden nicht erklärt.

    Das ist ein eher ernüchterndes Bild und noch wenig kreislaufwirtschaftlich. Was müssen wir tun, um mehr Alttextilien wieder zu verwenden oder stofflich zu verwerten? Welche Potentiale gibt es dabei für österreichische Unternehmen?

    Wir haben dazu eine Expertin gefragt: Das Interview mit Dipl. HTL Ing. Helene Melnitzky vom Institut für Ökologie, Technik und Innovation GmbH lesen Sie nächste Woche!

    [1] BGBL Nr. 200/2021

    [2] Quelle: Kreislaufwirtschaftsstrategie der österreichischen Bundesregierung

    Foto: Ethan Bodnar auf Unsplash

  • Chemikalien Leasing: Ein Champion der Circular Economy

    Chemikalien Leasing: Ein Champion der Circular Economy

    Vor einigen Wochen habe ich die diesjährigen Preisverleihung „2021 Global Chemical Leasing Award“ besucht, der zum bereits 5. Mal verliehen wurde

    Chemikalien Leasing wurde 2004 in Wien gestartet. Initiiert wurde  es von UNIDO (United Nations International Development Organization), unterstützt durch die österreichische Regierung. Mittlerweile wird es weltweit erfolgreich praktiziert. Dennoch hat dieses Konzept noch nicht den Bekanntheitsgrad, den es verdient – als ein Paradebeispiel für Circular Economy.

    Chemikalien Leasing als Geschäftsmodell

    Chemikalien Leasing ist ein leistungsorientiertes Geschäftsmodell für den nachhaltigen Einsatz von Chemikalien. Es zielt auf eine effizientere Nutzung von Chemikalien im Produktionsprozess ab, indem es die (Geschäfts-)beziehung zwischen dem Anwender und dem Hersteller/Lieferanten von Chemikalien neu definiert.

    Ein herkömmliches (lineares) Geschäftsmodell geht davon aus, dass man umso mehr verdient, je mehr man verkauft. Beim Chemikalienleasing verkauft der Lieferant jedoch keine Mengen einer Chemikalie. Er verkauft die Leistung der Chemikalie, also deren Wirkung. Die Bezahlung erfolgt dann nach funktionalen / geleisteten Einheiten, d. h. etwa nach der Anzahl der gereinigten Teile oder nach der Größe der beschichteten Oberflächen.

    Beitrag zur Circular Economy

    Das Global Chemical Leasing Programme trägt zur Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen bei (den Sustainable Development Goals, SDGs) und befasst sich insbesondere mit SDG 9 „Aufbau einer widerstandsfähigen Infrastruktur, Förderung einer inklusiven und nachhaltigen Industrialisierung und Förderung von Innovationen“. Es steht auch in direktem Zusammenhang mit den SDGs 3, 6, 12 und 13. Das Programm zielt darauf ab, einen wesentlichen Beitrag in Richtung einer zukunftsfähigen Kreislaufwirtschaft zu leisten.

    Ein erfolgreicher Business Case

    Mehr als fünfzehn Jahre später besteht kein Zweifel mehr daran, dass das leistungsbasierte Geschäftsmodell ‚Chemikalien Leasing‘ den Business Case für ein nachhaltiges Chemikalienmanagement darstellen kann. Der wesentliche Vorteil entsteht, weil Kunde und Lieferant gemeinsame Ziele definieren, die dann auch die Basis für die spätere Verrechnung bilden und das schafft Win-Win-Win-Situationen für die Geschäftspartner und die Umwelt.

    Beispiel Landwirtschaft: In einer linearen Wirtschaft will der Düngemittelhersteller möglichst viel Dünger verkaufen und der Landwirt ist an möglichst hohem Ernteertrag bei möglichst wenig Düngereinsatz interessiert. Durch Chemical Leasing profitieren beide Player unmittelbar und langfristig direkt von derselben Messgröße, dem Ernteertrag. Beide streben daher gemeinsam einen möglichst sparsamen und effizienten bzw. optimalen Düngereinsatz an.

    Ein erfolgreiches Beispiel in Österreich ist die vom BMK unterstützte Initiative ‚ChemPerform‘ welche mit Hilfe des ‚Biozid Leasing Modell‘ den chemischen Verbrauch bei der Oberflächendesinfektion reduziert. Das geschieht ohne Substitution durch aggressivere, umweltschädlichere Produkte während gleichzeitig die Menge an Desinfektionsmittel reduziert wird. Ein Thema, das speziell in der aktuellen Pandemie viel Aufmerksamkeit erlangt hat. Auch hier liegt die Basis zum Erfolg, dass die Partner ihr gemeinsames Wissen zur Findung einer optimalen Lösung einbringen.

    Die Vorteile von Chemikalien Leasing auf einen Blick

    • Gute und langfristige Zusammenarbeit zwischen den Partnern
    • Die Zusammenführung des Expert*innenwissen von Anwender und Hersteller
    • Effiziente Verwendung von kostbaren (und manchmal auch gefährlichen) Ressourcen – es wird nicht mehr eingesetzt, als zur Erreichung des gewünschten Effektes notwendig ist
    • Kosteneffizienz, gesteigerte Ökoeffizienz und damit höherer Profit für beide Partner
    • Geringeres Risiko für die Gesundheit von Menschen und Natur.

    Neben den Vorteilen für Ressourcen, Umwelt und Kosten fördert es auch ein kooperatives Miteinander von Geschäftspartnern zum Wohle aller.

    Ein Gewinn auf der ganzen Linie!

    Weiterführende Informationen finden Sie unter Chemical Leasing und unter Initiative ChemPerform.

    Wie immer können Sie sich bei Fragen auch gerne an uns wenden.

    Foto: mauriciodonascimento auf Pixabay

  • Plötzlich online!

    Plötzlich online!

    2020 wird uns wohl als Jahr in Erinnerung bleiben, an der für uns alles anders war. Plötzlich online war die Devise.

    Dabei arbeiten wir schon seit sehr langer Zeit mit unseren KundInnen und PartnerInnen auch oft und gerne online.

    Neu war, dass wir nicht mehr wählen konnten ob online oder live.

    In unserem diesjährigen Jahresbericht berichten wir, wie unsere Arbeit sich dadurch verändert hat:

    • Unsere Generalversammlung
    • Zwei Projektevaluierungen auf der anderen Seite der Welt
    • Was es für das Gelingen von online wie Live-Veranstaltungen braucht

    Hier ist der Erfolgsbericht 2020!

    Haben Sie Lust bekommen, Mitglied und damit ein Teil dieses Erfolgs zu werden? Mailen Sie uns (verein@austriarecycling.at) und wir unterhalten uns!

    Trainings zum Thema ‚Effektive Veranstaltungen‘ online / offline

  • Online Evaluieren – geht das?

    Online Evaluieren – geht das?

    Wir haben uns bereits in unserem letzten Blog mit Online versus offline am Beispiel unserer Generalversammlung ausführlich beschäftigt.

    Da wir nun endlich wieder beginnen können internationale Reisen zu planen, möchte ich das Thema Distance Working mit Blick auf unsere Projektarbeit beleuchten. Und auch hier anhand eines konkreten Beispiels. Auch für jene, die nicht an Projekten arbeiten ist dies interessant. Es gibt nämlich viele Gemeinsamkeiten zu anderen Audits wie etwa Umweltmanagement, Qualität, Sicherheit etc., die wegen Corona online durchgeführt werden mussten.

    In meiner Arbeit für UNIDO, konnte ich im Dezember 2020 eine sogenannte Terminal Evaluation durchführen. Das ist die Beurteilung eines Projekts das bereits abgeschlossen ist. Konkret ging es um die Einführung energieeffizienter Boiler in Vietnam. Vietnam hat die Pandemie bis dato sehr gut überstanden, vor allem weil es sehr strenge Einreisebeschränkungen eingeführt hat.

    Virtuelle Reise nach Vietnam

    Eine solche Evaluierung wird immer von einem internationalen und einem nationalen Experten durchgeführt. Beide hatten 10 Tage im Land zur Verfügung, um Ablauf und Ergebnisse ausführlich unter die Lupe zu nehmen. Für mich als internationaler Experte war diese ‚Reise‘ leider nur virtuell möglich. Unter diesen Umständen war eine ausgewogene Beurteilung sehr schwierig.

    Grundsätzlich haben wir geplant, dass ich an den meisten Termine online teilnehme. Mein Kollege vor Ort führt durch das Gespräch. Er sorgt ausserdem für die ‚Technik‘ und übernimmt – wo notwendig – auch die Übersetzungsarbeit. Man kann sich vorstellen, wie herausfordernd diese Dreifach-Rolle für den vietnamesischen Kollegen ist!

    Die Herausforderungen in der Praxis

    Nach ein paar Interviews wurde klar, dass

    • erstens bei vielen Terminen keine stabile Internetverbindung sichergestellt werden konnte.
    • zweitens die Interviewpartner es bevorzugten die Gespräche in der Landessprache (und nicht in Englisch) durchzuführen.
    • drittens bringt die virtuelle Anwesenheit eines Auditors nur beschränkten Zusatznutzen. Es ist ja kaum möglich, in diesem Setting eine persönliche Beziehung herzustellen, bzw. den Raum für ein gutes Gespräch zu schaffen. Das ist eine wichtige Funktion, die der internationale Experte normalerweise mitübernimmt.
    • Zusätzlich kommen dann noch die Schwierigkeiten mit der Zeitdifferenz dazu.

    Wir sind daher dazu übergegangen, dass mein nationaler Kollege die meisten Gespräche vor Ort alleine durchführt. Wir haben gemeinsam im Vorfeld die Fragen / Themenbereich abgestimmt. Nach dem Gespräch haben wir die wesentlichen Aussagen/Ergebnisse besprochen. Zu jedem Treffen mit den verschiedenen Stakeholdern wurde eine kurze Aktennotiz verfasst.

    Das evaluierte Projekt hat nicht nur hervorragende Ergebnisse erbracht, sondern war auch sehr gut organisiert und wurde professionell abgewickelt. Über ein erfolgreiches Projekt sprechen alle Beteiligten gerne. Nicht zuletzt deshalb hat die online Evaluierung insgesamt sehr gut geklappt.

    Die großen Unterschiede zwischen offline und online Evaluierungen

    1. Die Zusammenarbeit im Evaluator*innen-Team bekommt eine besondere Bedeutung. Der Kollege / die Kollegin vor Ort hat eine erweiterte Rolle, bzw. zusätzliche Aufgaben. Daher braucht es eigentlich ein gesondertes bzw. erweitertes Anforderungsprofil, nach dem die Evaluator*innen ausgewählt werden sollten.
    2. Um eine gute Evaluierung durchführen zu können, ist es wesentlich, zwischen Evaluator*innen und den Interviewpartner*innen eine positive und vertrauensvolle Stimmung aufzubauen. Nur so kann man wirklich erfahren was im Projekt passiert ist, was gut war und was nicht so gut gelungen ist.
      Dazu sind auch die informellen Gespräche wesentlich. Bei einem Tee, der gemeinsamen Fahrt im Taxi oder beim Smalltalk vor dem eigentlichen Termin erfährt man oft mehr, als nachher im formellen Meeting.
    3. Auch die nonverbale Kommunikation liefert wesentliche Informationen, vor allem wenn man keine gemeinsame Sprache hat. Sie kann zu weiteren Fragen und damit besseren Ergebnissen führen. Das fällt bei dieser Art von Interviews mit nur teilweiser Online Präsenz leider weg. Man müsste diese Meetings in gut ausgerüsteten Konferenzräumen mit professioneller Video- und Audio-Ausrüstung durchführen. In der Praxis ist das meist nicht möglich.
    4. Falls es keine gemeinsame Sprache gibt (also alle Beteiligten ausreichend gutes Englisch sprechen), braucht der lokale Experte jedenfalls Unterstützung durch eine dritte Person. Alle Aufgaben (siehe oben) alleine zu meistern und dabei inhaltlich gut zu evaluieren, halte ich für unmöglich.

    Mein Fazit

    Natürlich ist es möglich eine ‚Terminal Evaluation‘ in dieser Form (also teilweise Online) durchzuführen. Es ergeben sich jedoch besondere Herausforderungen und auch unter optimalen Umständen wird sie nicht dieselbe Qualität wie eine Vor-Ort Untersuchung (offline) haben.

    Für mich persönlich fällt auch vieles weg, was für mich diese Arbeit so interessant macht. Dazu gehört neben dem Kennenlernen fremder Länder und (Arbeits)Kulturen, eben auch das persönliche Gespräch mit interessanten Menschen und die Möglichkeit, vor Ort den Dingen auf den Grund zu gehen und damit die Ursache für Erfolge oder Misserfolge wirklich zu verstehen. Nur so kann man im Rahmen von (internationalen) Beratungsprojekten Empfehlungen ableiten, die die Projektteams in der weiteren Umsetzung bzw. in Folgeprojekten unterstützen. Ich bin überzeugt, die Beratungsarbeit der Austria Recycling – egal ob in nationalen oder internationalen Projekten – ist von noch besserer Qualität, wenn wir mit Unternehmen/Stakeholdern/Nutznießern in direktem persönlichem Kontakt stehen können. Das gehört zu unserem Stil und ist Teil unseres Erfolgskonzeptes. In diesem Sinne bin ich froh, dass Reisen wohl ab Sommer wieder möglich sind!

    Auch noch interessant zu diesem Thema:

    Online versus Offline: Analyse am Beispiel unserer Generalversammlung

    Trainings zum Thema online / offline

    Foto: Wokandapix auf Pixabay

  • Online versus Offline? Analyse am Beispiel unserer Generalversammlung

    Online versus Offline? Analyse am Beispiel unserer Generalversammlung

    Nach einem Jahr online Meetings kann man schon einmal Zwischenbilanz ziehen. ‚zoom-fatigue‘ macht sich überall breit und wir alle möchten uns gerne wieder ‚wirklich treffen‘. Auch ich warte schon sehnsüchtig darauf. Dennoch möchte ich online versus offline einmal anhand eines konkreten Beispiels beleuchten. Ich glaube nämlich auch, dass man online noch vieles besser machen könnte – offline übrigens auch.

    Ich tue das anhand unserer Generalversammlung. Die ist zwar insofern besonders, weil sie nur alle 4 Jahre  stattfindet. Trotzdem ist sie für einen Vergleich online – offline gut geeignet.

    Unseren Mitgliedern brauche ich eine Generalversammlung (GV) nicht ausführlich zu erklären. Darum nur in aller Kürze: Eine GV eines Vereins dient der gemeinsamen Willensbildung der Vereinsmitglieder. Sie entlastet die Geschäftsführung, nimmt den Bericht der Rechnungsprüfer entgegen, entscheidet über die Höhe des Mitgliedsbeitrages, wählt das Präsidium.

    Es kommen also – mindestens – folgende Elemente vor:

    • Präsentation (der Geschäftsführung, der Rechnungsprüfer)
    • Abstimmung (über die oben genannten Elemente)
    • Fragen (die sich eventuell ergeben)
    • Diskussion

    Wie bei jedem Meeting unterscheide ich Vorbereitung, Ablauf, Nachbearbeitung.

    Die Vorbereitung – gut geplant ist halb gewonnen

    Bei einer live-Veranstaltung braucht es grob gesagt einen Ablaufplan / ein Design, einen Veranstaltungsraum, Catering, Einladungen, Erinnerungen, eventuell externe Vortragende. Dann noch weitere Logistik wie Wegweiser zu Veranstaltungsraum, Parkplätzen, Toiletten, Raumausstattung, ggf. Sitzpläne, Veranstaltungstechnik).

    Das meiste davon ist auch bei einer virtuellen Veranstaltung notwendig. Der Raum ist die geeignete Software, Einladungen, Erinnerungen, Ablaufplan braucht es auch. Zusätzlich muss die verfügbare Technik klar sein (nicht jede Software darf in allen Unternehmen genutzt werden, Technik-Tipps u.ä.).

    Eine Generalversammlung enthält einige, wesentliche Formalismen: Deshalb brauchen wir zum Beispiel eine Vorgehensweise, wie abgestimmt werden kann. Live erfolgt das durch Heben der Hände und Abzählen. Online muss das die Technik erledigen.

    All das muss im Vorfeld geklärt werden. Der Ablaufplan muss sehr früh stehen, von ihm hängt die Länge der Veranstaltung und noch so einiges ab.

    Der Ablauf – vom Wert einer guten Choreografie

    Jeder Ablauf ist eigentlich eine Choreografie – was passiert wann, durch wen und mit wem. Je besser die Choreografie geplant ist, desto leichtfüßiger und souveräner können Sie durch ein Meeting führen.

    Dennoch: Seien Sie immer auf Überraschungen gefasst. Online wie offline kann zum Beispiel die Technik dazwischen funken. Vor Ort kann man leicht eine Lösung finden (Flipchart, Handouts etc.). Bei einer Online-Veranstaltung wird das aber kritisch. Mein Tipp: wenn möglich einen zweiten Zugang zum Internet verfügbar haben. Meine Erfahrung ist, je besser die Choreografie ist, desto leichter können Überraschungen gemeistert werden. Das gilt nicht nur für die Technik.

    Übrigens: für mich ist ein Ablauf gut, wenn damit das Ziel des Meetings erreicht wurde.

    Zusammenarbeit – das Salz jeder Veranstaltung

    In einer Generalversammlung werden die Weichen für die kommenden 4 Jahre der Vereinsarbeit gelegt. Daher ist konstruktive, zielgerichtete Interaktion ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung: Abstimmen, Fragen/Rückfragen/Anmerkungen, Diskussionen.

    Bei großer Teilnehmerinnenzahl und/oder für ausführlichen Diskussionen empfiehlt es sich, Arbeitsgruppen zu bilden. Das können wir alle uns im Live-Format bestens vorstellen.  Bei einer Live-Veranstaltung reicht abhängig von der Anzahl der Teilnehmer*innen auch oft ein großer Raum. Dort können sich die Gruppen z.B. in die Ecken aufteilen und dann alle im gemeinsamen Raum arbeiten. Auch online gibt es die Möglichkeit, Gruppenräume zu nutzen oder im Plenum gemeinsam an einem virtuellen ‚whiteboard‘ zu arbeiten.

    Die großen Unterschiede

    Betrachtet man den Aufwand, so ist die Planung einer online Veranstaltung mindestens ebenso arbeitsintensiv wie eine Live – Veranstaltung.

    Dazu kommt bei der Umsetzung online die technische Herausforderung vor allem die Qualität der Internetverbindung zum Zeitpunkt der Veranstaltung. Die Veranstalter*innen und Gäste müssen auf Überraschungen gefasst sein. Gelassenheit bewahren hilft.

    Was man live alleine machen kann, benötigt online oft eine Unterstützung. Es ist schwierig, gleichzeitig zu präsentieren, den Chat im Auge zu behalten, Menschen, die ‚hinausgefallen‘ sind wieder hereinzuholen. Da hilft eine zweite Person, die sich um diese anderen Schauplätze kümmert. Dann kann die Moderatorin / der Facilitator mit der Aufmerksamkeit bei den Teilnehmer*innen (und ggf. der Präsentation) sein. Die Anzahl der teilnehmenden Personen ist hier ausschlaggebend.

    Vorteile einer online Generalversammlung

    Nicht jedes Mitglied kann zu einer Live-Generalversammlung kommen. Wenn die Reisezeit aber wegfällt, dann ist eine Teilnahme zumindest eher möglich. Man kann die Veranstaltung straffer organisieren, d.h sie kann kürzer ausfallen. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit einfach eine Aufzeichnung der Veranstaltung zu erstellen. (Aber nicht vergessen die Zustimmung der Teilnehmer*innen zur Aufzeichnung einzuholen und die Art der Verwendung anzugeben).

    Der organisatorische Aufwand, sowie die Kosten für Raum, Technik vor Ort fällt weg.

    Nachteile einer online Generalversammlung

    Es gibt kein Netzwerken und keinen persönliche Kontakt. Nach der Generalversammlung und in den Pausen gibt es live immer die Möglichkeit miteinander zu sprechen, neue Leute kennenzulernen, Bekannte zu begrüßen, Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. Das fällt online bei einer eher kurzen Veranstaltung weg. Bei längeren Veranstaltungen können und müssen diese Gelegenheiten extra eingeplant werden.

    Was ebenfalls wegfällt ist das Catering. Leider, denn man möchte seinen Gästen schließlich auch gerne etwas anbieten. Und vor allem Gelegenheit zum Small talk in entspannter Atmosphäre geben.

    Wie war die online Generalversammlung?

    Wir sind – wie geplant – im Zeitrahmen  von  75 Minuten geblieben. Die Technik hat geklappt. Die Präsentationen und Inputs von insgesamt 6 verschiedenen Menschen waren relevant und interessant (Begrüßung, Bericht des Präsidiums, Vorstellung des neuen Präsidiumsmitglieds, Rechenschaftsbericht, Bericht über das aktuelle Leistungsprogramm, Bericht des Abschlussprüfers). Es wurden Fragen gestellt. Die 4 technisch unterstützten Abstimmungen haben sehr gut funktioniert und sind dokumentiert. Das detaillierte 7-seitige Protokoll war pünktlich fertig und 48 Stunden später versendet (Dank Erinnerungsstütze Recording). Wir haben gutes Feedback erhalten!

    Goldene Regel bei jedem Meeting: Mitmachen!

    Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem Meeting. Frontalveranstaltungen langweilen. Sie wollen sich und Ihre Erfahrungen einbringen. Sie haben Fragen. Stundenlanges Zuhören ermüdet. Die Energie verlässt Sie. Und damit schließlich das Interesse.

    Damit das nicht geschieht, plane ich Interaktion sorgfältig und moderiere Partizipation aufmerksam. Schließlich wollen wir uns mit allen Teilnehmerinnen austauschen. Mit den extroverierten ebenso wie mit den introvertieren. Mit den erfahrenen ‚alten Hasen‘ genauso wie mit den jungen, die frischen Wind einbringen können und wollen. Uns interessieren die prominent vorgetragenen Aussagen ebenso wie die vielleicht versteckten Perlen.

    Ein gutes Meeting ist wie eine gut erledigte Aufgabe

    Ich kenne das Argument, dass derartige Partizipation aufhält. Daß alles zu lange dauert, daß ja nichts Neues dabei herauskommt. Es entspricht nur so gar nicht  meiner Erfahrung. Denn: Wir wollen die Menschen mitnehmen. Was vermeintlich durch Vernachlässigen von Partizipation eingespart wird, kommt vielfach zurück in Form von Fragen, Widerständen, Erklärungsbedarf, Fehlinterpretationen etc.

    Und deshalb werden Meetings und Veranstaltungen nicht durch Knopfdruck ‚Meeting starten‘ begonnen, sondern mit einer guten Vorbereitung. Denn online wie offline treffen Menschen aufeinander und Aufgaben sind zu erledigen. Deshalb verdient dieses Treffen volle Aufmerksamkeit.

    Mein persönliches Resumee

    Ich bin technik-affin und würde gerne schon seit vielen Jahren mehr online arbeiten. Es hat einfach so viele Vorteile (keine Reisezeiten, Erreichbarkeit von Menschen an unterschiedlichen Orten, oft besseres Einfügen in den Arbeitsalltag…). Ich bin schon lange international vernetzt und damit auch online. Sonst würde ich meine Kolleg*innen  nur alle paar Jahre sehen und die Möglichkeit zum Austausch haben. Und international zu arbeiten wäre derzeit gar nicht möglich. Wohlgemerkt, möchte ich auch gerne wieder offline arbeiten. Sich auch physisch zu treffen ist ein menschliches Bedürfnis. Beziehungen und gute Zusammenarbeit entstehen leichter, wenn man einander auch physisch treffen kann. Mir und vielen anderen fällt Kommunikation leichter, wenn man auch die Körpersprache sehen und wahrnehmen kann. Für mich war es aber nie eine Frage von entweder – oder sondern immer von sowohl als auch. Ich bin überzeugt, dass die Freude über wiedererlangte (Bewegungs-)Freiheit – die irgendwann sicher kommt – die Vorteile von online nicht hinwegfegt.

    Und: Ich habe ‚bad-meeting-fatigue‘ und zwar schon lange. Ich denke, dass die meisten Meetings viel besser gemacht werden könnten. Dafür müssen sie als das gesehen werden, was sie sind: ein Mittel um Ziele gemeinsam mit anderen Menschen zu erreichen. Und deshalb beschäftige ich mich mit dem Thema und biete Trainings dazu an:

    Führen mit Meetings und Workshops für Führungskräfte – 2 Tage online. Sie erfahren, was gute Meetings (& Workshops) zu Ihren Ergebnissen beitragen können und auch wie man sie effektiv durchführt. Sie arbeiten in kleinem Rahmen mit max. 5 anderen Führungskräften in einer inspirierenden virtuellen Umgebung.

    Von online Meetings wirklich profitieren – 2,5 Stunden online. Hier behandeln wir die Erfolgsfaktoren für erfolgreiche virtuelle Meetings (die auch in jedem realen Meeting wichtig sind).

    Ich selbst freue mich darauf, Online und Offline-Meetings vorbereiten, choreografieren und moderieren zu dürfen!

    Foto: Ibrahim Boran on Unsplash

  • 75 Jahre Nachhaltigkeit – das Interview

    75 Jahre Nachhaltigkeit – das Interview

    Austria Recycling gibt es heuer seit 75 Jahren!

    Stefan Melnitzky und ich haben mit Monika Piber (Austria Glas Recycling) zurückgeblickt.

    Vielleicht ist auch das eine oder andere Überraschende für Sie dabei?

    Lesen Sie, was für uns die Meilensteine in dieser langen Geschichte waren.

    Foto: Austria Recycling

  • Eine Fallstudie auf die Sie stolz sein können!

    Eine Fallstudie auf die Sie stolz sein können!

    Das Projekt Metabuild wurde im Februar 2020 beendet und wir sind stolz darauf. Das großartige multinationale Team und die beteiligten Unternehmen haben gute Arbeit geleistet und dadurch ausgezeichnete Ergebnisse erreicht: für die Umwelt und für die beteiligten Menschen. Wie in jedem Projekt gab es Höhen und Tiefen, Ungeplantes und Überraschendes.

    Stefan Melnitzky berichtet von seiner Erfahrung als Auditor für mehrjährige UNIDO-Projekte. Als Ergebnis werden Projekte einfach besser. Noch ein Schluss aus dieser Arbeit: Auch für Unternehmen ist es sinnvoll, einen externen Blick zu riskieren. Damit unterstützen sie ihre Arbeit und entwickeln sie weiter.

    Hier ist er, der Erfolgsbericht 2019!

    Haben Sie Lust bekommen, Mitglied und damit ein Teil dieses Erfolgs zu werden? Mailen Sie uns (verein@austriarecycling.at) und wir unterhalten uns!